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Nachflugbeschränkungen für den Flughafen Düsseldorf sind Etikettenschwindel
Nachflugbeschränkungen für den Flughafen Düsseldorf sind Etikettenschwindel

Ziel der Transparenzoffensive des damaligen NRW-Verkehrsministers Lienenkämper war Anfang 2010 die Information der Anwohner über das Nachtfluggeschehen am Flughafen Düsseldorf. Hier erfahren Sie, was daraus geworden ist.

 

 

 

 




Nachflugbeschränkungen für den Flughafen Düsseldorf sind Etikettenschwindel
 
„Mehr Transparenz über Nachtflüge in Düsseldorf: Flughafen veröffentlicht tatsächliche Start- und Landezeiten im Internet.“
 
Mit diesen kernigen Ankündigungen aus dem Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr wurde Anfang 2010 die Transparenzinitiative des damaligen Verkehrsministers Lutz Lienenkämper auf die Schiene gesetzt (http://www.mbwsv.nrw.de/presse/pressemitteilungen/Archiv_2010/FlughafenDus-Internet/index.php ).
 
Ziel war es, die Bürger ausführlicher über Flugbewegungen in den Nachtstunden zwischen 22:00 und 06:00 Uhr zu informieren. Neben den genauen Uhrzeiten der geplanten Nachtstarts und -landungen sollte auch darüber informiert werden, aus welchem Grund eine nächtliche Flugbewegung stattgefunden hat und ob sie nach den gelten Nachtflugbeschränkungen zulässig war. „Damit wird für jedermann sofort erkennbar, ob sich eine Airline an die rechtlichen Spielregeln gehalten hat“, so Lienenkämper.
Auch wenn im weiteren Verlauf nicht der Flughafen sondern die Bezirksregierung die Federführung übernahm, wurde damit tatsächlich mehr Transparenz geschaffen. Denn die dokumentierten Informationen waren sehr hilfreich, das perfide System der gezielten Umgehung der Nachtflugbeschränkungen (NFB) zu entlarven. Nach Auswertung der Daten von 04.2010 bis 12.2013 kommen die BÜRGER GEGEN FLUGLÄRM zu folgenden Ergebnissen:
  • Ein Drittel der am Flughafen Düsseldorf vergebenen Sondergenehmigungen beanspruchte alleine schon der Platzhirsch Air Berlin.
  • Die beiden größten Airlines Air Berlin und Lufthansa erhielten zusammen über 50 % der Sondergenehmigungen.
  • Die meisten Starts wurden nach Ziffer 4.2 (Sicherheit des Flugbetriebes bzw. Vermeidung erheblicher Störungen im betrieblichen Ablauf einer Airline), einige auch nach Ziffer 7 (Vermeidung erheblicher Störungen im Luftverkehr bzw. öffentliches Interesse) genehmigt.
  • Die Landungen erfolgten bis auf wenige Ausnahmen nach Ziffer 7 (wie zuvor) der Nachtflugbeschränkungen (siehe Anhang).
  • Darüber hinaus waren insgesamt 22 Starts und Landungen unzulässig, weil zuvor keine Sondergenehmigung der Luftaufsicht eingeholt wurde. 

Angenommen, die Bezirksregierung hat in der Vergangenheit ihre Genehmigungsfunktion vorgabegemäß wahrgenommen, dann wurden seit Beginn der Aktion im April 2010 insgesamt 545 Nachtstarts und –landungen genehmigt, in 2013 sogar mit deutlich abnehmender Tendenz:

 
Genehmigte und nicht genehmigte Nachtstarts und –landungen
am Flughafen Düsseldorf
Jahr
Starts
Landungen
gesamt
 
2010
121
125
246
 
2011
58
47
105
 
2012
98
31
129
 
2013
49
16
65
 
genehmigt
326
219
545
 
nicht genehmigt 
9
13
22
 
Summen
335
232
567
 
 
 
Stellt man diesen - häufig als Beleg für strenge Kontrollen herausgestellten - Zahlen aber die tatsächlich nach 22 Uhr durchgeführten Starts und die nach 23 Uhr erfolgten Landungen gegenüber, dann verkehrt sich die offiziell gewünschte Beschränkung der Nachtflüge ins Gegenteil:
 
 
Denn von den insgesamt 5220 gezählten Nachtstarts und –landungen waren nach den Nachtflugbeschränkungen lediglich 567 genehmigungspflichtig, also gerade einmal 10,9 %.
 
Der Rest, also nahezu 90 % der nächtlichen Flugbewegungen, ist in das Belieben der Airlines gestellt, was insbesondere der Homebase-Carrier Regelung zu verdanken ist. Danach können Luftfahrtunternehmen, die auf dem Flughafen Düsseldorf einen anerkannten örtlichen Wartungsschwerpunkt unterhalten, bis auf die Zeit von 00.00 Uhr bis 05.00 Uhr jederzeit und ohne Genehmigung der Bezirksregierung landen (siehe Punkt 4.5 der NFB). Das ist der eigentliche Skandal.
 
  
Und da die Homebase-Carrier am Flughafen Düsseldorf einen Marktanteil von insgesamt rund 80 % bzw. bei den Landungen nach 23 Uhr sogar von 85,7 % haben, dürfte inzwischen auch dem unbedarftesten Politiker klar geworden sein, dass die „Nachtflugbeschränkungen“ am Flughafen Düsseldorf nicht mehr sind als ein Etikettenschwindel.
 
Wenn aber die Zielsetzung der Nachtflugbeschränkungen - „… Verminderung der Lärmauswirkungen auf die Umgebung des Verkehrsflughafens Düsseldorf“ - ernst gemeint ist, dann müssen sie schleunigst neu verfasst werden. Falls sich jedoch das Verkehrsministerium weiterhin von den Luftfahrtlobbyisten am Nasenring durch die Manege führen lässt, wird der letzte Funken Respekt für die Politik wohl auch noch verspielt.


DruckenDrucken | 09.02.2014, 06:00:00 | lehe







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